Was bedeutet die Nadellänge?
Bei Akupunkturnadeln bezieht sich die angegebene Länge grundsätzlich auf die Nadellänge ohne Griff. Gemessen wird also die Länge des eigentlichen Nadelkörpers vom Griff bis zur Spitze.
Die mit Abstand am häufigsten verwendete und verkaufte Nadellänge ist 25 mm
Interessant ist der Bezug zum traditionellen Längenmass Cun. Eine Nadel mit einer Länge von 25 mm entspricht ungefähr einem chinesischen Cun, während die japanische Einheit Sun etwa 30 mm entspricht.
Unabhängig von diesen Orientierungswerten richtet sich die tatsächlich benötigte Nadellänge jedoch immer nach der Körperregion, der verwendeten Technik und dem Körperbau des Patienten.

Für die praktische Anwendung lohnt es sich, bei der Suche nach Nadellängen sowohl die 25-mm- als auch die 30-mm-Variante zu berücksichtigen. Der Unterschied von lediglich 5 mm ist in den meisten Fällen vernachlässigbar.

1. Technik und Körperregion bestimmen die Nadellänge Die erste Frage sollte nicht lauten: "Welche Nadellänge habe ich im Schrank?", sondern: "Was möchte ich an dieser Körperstelle bewirken?" Eine Nadel für das Gesicht stellt andere Anforderungen als eine Nadel für Rücken oder Gesässmuskulatur. Gleichzeitig beeinflusst auch die Arbeitsweise die Wahl der Nadellänge. Manche arbeiten gerne mit kürzeren Nadeln und schätzen die direkte Kontrolle. Andere bevorzugen längere Nadeln, die ihnen mehr Spielraum bei der Führung und Positionierung geben. Auch besondere Stichtechniken können die Wahl der Nadellänge beeinflussen. Ein gutes Beispiel ist die Anwendung von Moxa auf der Nadel. Das zusätzliche Gewicht des Moxas belastet die Nadel und sollte von ihr sicher getragen werden können. Ist die Nadel sehr lang oder sehr fein, kann sie sich leichter durchbiegen. Bei der Nadelmoxa-Anwendung ist deshalb oft einer etwas kürzeren und stabileren Nadel der Vorzug zu geben. So sitzt das Moxa sicher auf der Nadel und die Stabilität bleibt während der gesamten Anwendung erhalten. Die passende Nadellänge ergibt sich daher immer aus dem Zusammenspiel von Körperregion, gewählter Stichtechnik und persönlicher Arbeitsweise.

2. Der Körperbau des Patienten spielt eine Rolle Nicht jeder Patient und nicht jede Patientin bringt die gleichen Voraussetzungen mit. Bei schlanken Personen genügt oft eine kürzere Nadel, während bei kräftigen oder muskulösen Patienten eine längere Nadel sinnvoll sein kann. Die gleiche Akupunkturpunktkombination kann deshalb bei unterschiedlichen Patienten unterschiedliche Nadellängen erfordern. Wer die Nadellänge ausschliesslich nach der Punktlokalisation auswählt, übersieht einen wichtigen Faktor: den individuellen Körperbau des Patienten.

3. Im Zweifel lieber etwas länger bemessen Ein praktischer Grundsatz lautet: Eine längere Nadel kann auch oberflächlich verwendet werden. Eine zu kurze Nadel lässt sich jedoch nicht verlängern. Viele erfahrene Akupunkteurinnen und Akupunkteure wählen deshalb lieber eine Nadel, die etwas Reservelänge bietet. Das schafft Flexibilität und verhindert, dass die Nadel bei einer Behandlung unnötig knapp bemessen ist. Länger bedeutet dabei nicht automatisch tiefer. Die Einstechtiefe wird weiterhin durch die Therapie und die Anatomie bestimmt. Eine etwas längere Nadel bietet lediglich mehr Spielraum bei der Anwendung.

Fazit Die passende Nadellänge ergibt sich aus mehreren Faktoren:

  • der Körperregion
  • der verwendeten Stichtechnik
  • der persönlichen Arbeitsweise
  • dem Körperbau des Patienten
Mit zunehmender Erfahrung entwickeln viele Therapeutinnen und Therapeuten bevorzugte Nadellängen, die sie im Praxisalltag besonders gerne einsetzen. Die beste Nadellänge ist nicht die kürzeste oder längste Nadel. Sie ist diejenige, die zur jeweiligen Situation passt und genügend Spielraum für eine sichere und angenehme Anwendung bietet.


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